Kräftige Farben statt Pastell, Beige oder Grau: Warum leuchtende Töne für Kinder einfach besser sind

Kräftige Farben statt Pastell, Beige oder Grau: Warum leuchtende Töne für Kinder einfach besser sind

 

Diesen Tag nehmen wir zum Anlass, um mit Ihnen darüber zu sprechen, welche wichtige Rolle Farben bei Spielwaren spielen. Denn seit einigen Jahren beobachten wir im Spielwarenmarkt einen Trend, der mich als Therapeut zunächst verwundert hat und der mich inzwischen nachdenklich stimmt.

Natürlich hat jede Generation ihre eigenen Trends. Oft hängen diese mit kulturellen, wirtschaftlichen oder gestalterischen Entwicklungen zusammen. Unser Design-Geschmack wird zurzeit stark geprägt von Minimalismus, Skandi- und Japandi-Stil. Der aktuelle Farbtrend richtet sich in erster Linie an Erwachsene und hat dabei natürlich auch Auswirkungen auf die Jüngsten. 

Die Farbpalette dieser Wohntrends ist neutral und zurückhaltend: Beige, Creme, Braun, Weiß, Grau dazu ein paar dunkle Akzente. Das Ganze soll ein aufgeräumtes Wohngefühl und Gemütlichkeit vermitteln. Und verstehen Sie mich bitte nicht falsch: Wir finden dieses Konzept ebenfalls ansprechend, aber für Wohnräume wie Wohnzimmer, Esszimmer, Küche oder Schlafzimmer. Im Kinderzimmer sieht das anders aus. Spielzeug sollte grundsätzlich nicht als Wohnaccessoire angeschafft werden.

Natürlich wirkt ein Spielzeug in Pastelltönen, Beige oder Grau auf dem Couchtisch "ruhiger" als eine bunte Variante. Aber es ist nun einmal keine Schale und keine Vase, sondern ein Gebrauchsgegenstand, der zum Spielen, Hantieren und Ausprobieren einladen soll.

Ein weiterer Grund für diesen Trend: Ihnen als Käuferinnen und Käufern soll vermittelt werden, dass Sie mit zarten, "verwaschenen" Farbtönen etwas besonders Natürliches und Nachhaltiges erwerben. Genau diese Farben lösen in uns oft das Gefühl von Langlebigkeit, Umweltbewusstsein und Wertigkeit aus. Das ist für viele ein wichtiges Kaufargument und sie greifen deshalb unterbewusst zu diesen Farben. Für manche Produkte mag das stimmen. Aber: Nicht alles, was kräftig und bunt ist, ist automatisch künstlich, kurzlebig oder weniger umweltbewusst und nicht alles was in zarten Farbtönen angeboten wird, ist von Natur aus hochwertiger oder langlebiger.

Ein Beispiel aus unserem Alltag: Wir verkaufen Brettschaukeln in verschiedenen Farben und wissen, das alle, unabhängig vom Farbton, aus demselben Material gefertigt sind und die gleichen Ansprüche an Sicherheit, Langlebigkeit und Qualität erfüllen. Die verschiedenen Farben geben Ihnen lediglich die Möglichkeit nach Ihrem persönlichen Geschmack auszuwählen, sagen aber nichts über die Wertigkeit des Produkts aus.

Hinzu kommen die Einflüsse von Social Media. Gerade auf Instagram und Pinterest funktionieren helle, reduzierte Farben besser als kräftige Töne. Fotos wirken ruhiger, "cleaner" und scheinbar hochwertiger. Sie erzeugen den Wunsch, in einer ähnlich aufgeräumten Umgebung zu leben. Gleichzeitig wissen wir: Nicht alles, was dort gezeigt wird, ist gelebte Realität. Vermutlich leben nur die wenigsten genau so, wie sie sich vor der Kamera darstellen. Während wir unseren Kindern beibringen, ihr Weltbild nicht nach Social Media zu formen, zum Beispiel beim Thema Körpergefühl, lassen wir uns selbst bei der Gestaltung von Wohnräumen und Spielumgebungen für unsere Kinder davon stark beeinflussen.

Oft hören wir das Argument, weniger Farbe schütze Kinder vor Reizüberflutung und unterstütze Konzentration und Phantasie. Wenn wir hier aber von Farbe reden, sagen wir nicht, dass sie ab sofort in einem Zirkuszelt leben müssen. Wer schon einmal ein Kind in einer Kindertageseinrichtung abgegeben hat, weiß, dass dort nicht jede Wand, jeder Teppich und jedes Möbelstück eine andere Farbe hat. Der Grundraum, also Wände, Teppiche und große Möbel, darf gern zurückhaltend gestaltet sein. Hier sind wir vollkommen bei Ihnen: Natürliche, dezente Farben als Grundbasis eines Zimmers geben Ruhe. Das eigentliche Leben und die Farbe bringt das Spielzeug in den Raum. Ist der Hintergrund neutral und ruhig, reicht das völlig aus, damit sich Ihr Kind geborgen fühlt. Mit ein paar durchdachten Verstaumöglichkeiten wirkt der Raum im Handumdrehen aufgeräumt und Ihr Wohngefühl bleibt angenehm klar und "hygge". Dafür muss das Spielzeug selbst nicht farblos werden.

Für die kindliche Entwicklung ist dieser Entfärbungstrend nämlich wenig hilfreich und ich möchte Ihnen erklären, warum:

 


 

1. Wie Kinder Farben sehen und warum Pastell oft einfach "weiß" ist

 

Schon im Mutterleib erleben Babys eine ganz bestimmte Farbe: Rot. Durch die Bauchdecke scheint ein rötliches Licht. Diese Farbe ist vertraut, beruhigend und bleibt nach der Geburt zunächst Favorit.

Nach der Geburt geht es so weiter:

  • Neugeborene lieben starke Kontraste, vor allem Schwarz-Weiß.
  • Pastelltöne nehmen sie anfangs eher als "hell" oder "weiß" wahr.
  • Die Sinneszellen für Farben (die Zapfen) müssen sich erst weiterentwickeln.
  • Mit der Zeit kommt das Erkennen von Rot, Grün, Blau und Gelb hinzu.

Kräftige Farben und deutliche Kontraste sind für Babys und kleine Kinder wie ein Leuchtschild: "Schau her, hier passiert etwas Spannendes!" 

Pastell und Grau sind dagegen eher ein leises Flüstern im Hintergrund. Die Farben, die Erwachsene einsetzen, um Ruhe in den Alltag ihres Babys bzw. Kleinkindes zu bringen, führen leider auch dazu, dass Babys und Kleinkinder nicht das nötige Interesse an ihrer Umgebung aufbringen, um ihre Entwicklung voranzutreiben.

 


 

2. Warum kräftige Farben die Entwicklung unterstützen

 

Leuchtende Farben sind weit mehr als nur "schön". Sie sind echtes Trainingsmaterial für das kindliche Gehirn.

1. Sie fördern die Sehentwicklung

Kräftige Rot-, Gelb-, Blau- und Grüntöne fordern die Sinneszellen im Auge. Das Gehirn lernt, Unterschiede zu erkennen, Kontraste zu verarbeiten und Muster wahrzunehmen. Je vielfältiger und klarer die farbigen Eindrücke, desto mehr "Übung" bekommt das Sehsystem.

2. Sie regen Fantasie und Kreativität an

Eine rote Rassel regt zum Greifen und Hantieren an. Ein knallgrüner Kletterturm wird zur Dschungelstation, eine gelbe Rutsche zum Sonnenstrahl, ein blauer Balancierbalken zum Fluss, über den Kinder mutig "hinüber balancieren".
Farben machen aus einer einfachen Spielumgebung ein Abenteuerland.

3. Sie unterstützen Kommunikation und Sprache

Farben sind perfekte Gesprächsanlässe:

  • "Kannst du mir den roten Ball holen?"
  • "Welche Farbe hat dein Lieblingspullover?"
  • "Kann ich das Haus blau ausmalen?"

So lernen Kinder spielerisch, Farben zu benennen, zu vergleichen und bewusst wahrzunehmen.

4. Sie beeinflussen Stimmung und Motivation

Farben berühren Gefühle. Leuchtende, kräftige Töne verbinden Kinder häufig mit Freude, Energie und Lebendigkeit. Eine bunte Spielumgebung lädt ein: "Komm, spiel mit mir!" eigentlich genau das, was Sie sich wünschen, wenn Ihr Kind sich öfter aus eigenem Antrieb allein beschäftigen soll.

 


 

3. Pastell und Grau – hübsch fürs Wohnzimmer, zu wenig Kontrast für Kinderaugen

 

Pastell- und Grautöne wirken beruhigend, elegant und harmonisch auf uns Erwachsene. Für Kinder sind sie vor allem eins: wenig aufregend.

Das bedeutet nicht, dass Sie jeden Quadratzentimeter in Neonfarben tauchen sollen.

Aber: Wenn die gesamte Umgebung in Beige, Grau oder sehr zarten Tönen gehalten ist, fehlen Kindern starke Farbimpulse. Für ihr Sehen und ihre Entdeckerlust sind kräftige Farbakzente deutlich wertvoller.

Ein guter Kompromiss:

  • Ruheflächen in neutralen Tönen (zum Beispiel Wände oder größere Möbel).
  • Kräftige Farben bei Spielzeugen, Teppichen, Kissen oder Bildern.

So behalten Sie eine gewisse Ruhe im Raum und Ihr Kind bekommt trotzdem das bunte Erlebnis, das seine Entwicklung unterstützt.

 


 

4. Fazit: Warum leuchtende Farben die Entwicklung von Kindern stärken.

 

Leuchtende Farben sind für Kinder weit mehr als Deko. Sie

  • unterstützen die Sehentwicklung,
  • fördern Fantasie und Kreativität,
  • regen Sprache und Kommunikation an,
  • stärken Bewegungsfreude und Entdeckergeist,
  • machen Spielbereiche im Haus und im Garten zu lebendigen Erlebnisräumen.

Wenn Sie also das nächste Mal zwischen pastellfarbener Zurückhaltung und kräftigem Rot, Gelb, Blau oder Grün schwanken, dürfen Sie sich ruhig an den wahren Expertinnen und Experten orientieren: an Ihrem Kind.

Gestalten Sie seine Spielumgebung mutig bunt.
So schenken Sie Ihrem Kind nicht nur ein fröhliches Farbenmeer, sondern auch jede Menge Anreize für seine Entwicklung.

Das Team von Anschütz.shop wünscht Ihnen zum Welttag der Farben den Mut ihr Leben und das Ihrer Kinder ein bisschen farbiger zu gestalten.

 



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