Gemeinsam spielen statt Geschenkestress: Wie wir die Vorweihnachtszeit entschleunigen können

Gemeinsam spielen statt Geschenkestress: Wie wir die Vorweihnachtszeit entschleunigen können

 

Die Luft duftet nach Plätzchen, Lichterketten glitzern im Fenster – und in Ihrem Kopf läuft eine lange To-do-Liste. Viele Familien erleben die Vorweihnachtszeit eher wie ein Wettrennen als wie eine besinnliche Zeit. Dabei wünschen sich Kinder und auch Eltern meist nur eines: gemeinsame, ungeteilte Zeit.

Stellen Sie sich vor: Statt durch volle Geschäfte zu eilen, sitzen Sie mit Ihrem Kind auf dem Teppich und lassen Murmeln durch eine Kugelbahn rollen, warmes Licht, leises Lachen. Genau diese Momente bleiben im Herzen.

 

Wenn "mehr" nicht glücklicher macht

 

Je näher Weihnachten rückt, desto größer scheint der Druck: das "richtige" Geschenk finden, eine Idee für Großeltern, Tanten und Onkel, obwohl die Wünsche auf der Wunschliste Ihres Kindes längst verteilt sind. So werden es vermutlich auch dieses Jahr wieder mehr Geschenke als geplant – und am Ende ist doch nur das eine, der Herzenswunsch, wirklich spannend.

Kinder erinnern sich selten daran, wie viele Pakete unter dem Baum lagen. Sie erinnern sich an das Gefühl, gesehen und wichtig zu sein. Daran, dass Mama und Papa oder Oma und Opa sich Zeit genommen, zugehört und mitgespielt haben. Oft reicht schon das Dabeisitzen und Zuschauen, wenn ein Kind etwas baut oder malt, um echte Nähe zu schaffen.

Gemeinsame Spielmomente:

  • schaffen Nähe und Vertrauen,
  • stärken die Bindung zwischen Erwachsenen und Kindern,
  • geben Sicherheit in einer trubeligen Zeit.

Ein einfaches Gesellschaftsspiel, ein Rollenspiel mit Kuscheltieren oder ein gemeinsam erschaffenes Bauwerk aus Holzklötzen sagt oft mehr als ein weiteres, hastig gekauftes Geschenk.


Kleine Rituale statt große Programmpläne

 

Entschleunigung muss nicht kompliziert sein. Schon wenige Minuten bewusstes Miteinander können den Unterschied machen.

Mögliche Rituale:

  • Der 10-Minuten-Teppich: Jeden Abend nach dem Abendessen kommt eine kleine Kiste mit ausgewählten Spielzeugen auf den Teppich. Für zehn Minuten gehört die Aufmerksamkeit ganz dem Spiel – ohne Telefon, ohne Ablenkung.

 

  • Das "Erzähl-und-Spiel"-Ritual: Eine erwachsene Person beginnt z.B. beim gemeinsamen Abendessen mit den Worten: "Der schönste Moment heute war …" und alle erzählen reihum. Dazu dürfen Kinder Szenen mit Figuren oder Klötzen nachspielen. Bei uns reicht zum Untermalen von Situationen oft die Butterdose (die bei uns deshalb nun schon seit Jahren unter dem Begriff "Erklärbutter" läuft) oder der Salzstreuer. Als unsere Kinder noch klein waren, haben wir das Ganze mit einem "Redestein" unterstützt. Reden durfte nur derjenige, der den Stein in der Hand hatte. Dadurch fielen sich unsere Beiden nicht gegenseitig ins Wort, und eine feste Reihenfolge war nicht nötig – wer nicht warten konnte, durfte einfach als Nächstes den Stein nehmen und seinen schönsten Moment erzählen.

 

  • Der Adventsmorgen im Schlafanzug: Viele Kinder lieben es, an manchen Tagen im Schlafanzug zu bleiben, eine Geschichte zu hören oder zu spielen. Auch bei unseren war das an Wochenenden nicht anders. Damit sie nicht frieren, haben wir ihnen für die Winterzeit kuschelige Jumpsuits gekauft. Das machte dieses kleine Ritual für sie zu etwasganz besonderem. Natürlich reicht es auch, einfach bis nach dem Frühstück im Schlafanzug bleiben zu dürfen oder vor dem Aufstehen noch eine Runde bei Mama und Papa im Bett zu kuscheln und zu spielen. Wichtig ist das Gefühl heute haben wir Zeit, wir müssen nirgendwo hin.

 

Diese kleinen Inseln im Alltag signalisieren Kindern: "Hier ist Raum für mich. Hier ist unsere gemeinsame, kostbare Zeit."

Für mehr Rituale lesen Sie unseren Blog Artikel: Rituale in der Adventszeit: Kleine Spiele, große Wirkung.

 

Weniger Konsum, mehr Fantasie

 

Viele Spielideen brauchen keine neuen Dinge, sondern nur einen liebevollen Blick auf das, was bereits da ist:

  • Aus einer einfachen Holzkiste wird ein Bett für den Lieblingsteddy
  • Aus Decken und Wäscheklammern entstehen Höhlen zum Einkuscheln
  • Aus Bauklötzen entstehen Häuser für Wichtel 
  • Kuscheltiere verwandeln sich in Gäste auf einem festlichen Winterfest.

So lernen Kinder: Freude entsteht nicht nur durch neue Gegenstände, sondern vor allem durch Fantasie, Kreativität und Nähe. Das stärkt ihre Problemlösungsfähigkeiten und macht sie stolz auf das, was sie selbst erschaffen.

 

Entschleunigung beginnt bei den Erwachsenen

 

Kinder spüren jede Anspannung. Wenn Erwachsene im Kopf schon beim nächsten Termin sind, fällt es auch den Kleinen schwer, im Moment anzukommen.

Hilfreich können Fragen sein wie:

  • Was darf dieses Jahr wegfallen, damit mehr Raum fürs Spielen bleibt?
  • Welcher Nachmittag gehört bewusst der Familie – ohne Termine, ohne Eile?
  • Welche Spielwaren begleiten uns schon lange und laden zu neuen Spielmomenten ein?

Wer den Kalender etwas ausdünnt, schenkt der Familie etwas sehr Wertvolles: ruhigere Tage, tiefere Gespräche, mehr gemeinsames Lachen.

 

Das schönste Geschenk: Zeit auf Augenhöhe

 

Am Ende der Adventszeit werden die Pakete ausgepackt sein, das Papier entsorgt, die Süßigkeiten aufgegessen. Was bleibt, sind Erinnerungen an Augenblicke:

Ein Kind, das stolz sein Bauwerk präsentiert.
Ein gemeinsamer Blick über ein fast gelöstes Puzzle.
Ein leises "Spielen wir morgen weiter?" vor dem Einschlafen.

Vielleicht ist genau das das größte Geschenk, das wir unseren Kindern machen können: weniger Geschenkestress, mehr Spielmomente – mit Herz, Sorgfalt und viel Freude.


 


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